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  1. Die heiligen Könige im Kölner Dom
  2. Weihnachtsfreude
  3. Die Hirten
  4. Vom Christkind
  5. Knecht Ruprecht
  6. Weihnachten

"Die heiligen drei Könige im Kölner Dom"
Max von Schenkendorf 1783 - 1817

Auf stillen Felsenhöh'n
Wir standen viele Nächte,
dort nach dem licht zu sehn
Vom künftigen Geschlechte.

Ein alt prophetisch Lied,
Es hat auch uns geklungen,
Hat unser Herz durchglüht
Und innig uns durchdrungen.

Da trieb es uns hinaus,
Zu wandern durch das Leben,
Die Ruh', den Hof, das Haus
Und alles dranzugeben.

Uns riefen von dem Herrn
Die Sagen und die Kunden,
Wir folgten seinem Stern,
Bis wir ihn selbst gefunden.

Maria, süßes Bild,
Wir können's nie vergessen,
Wie du so fromm und mild
Am Krippelein gesessen.

Das folgt uns wie im Traum
Nach Köllen an den Rheine,
Füllt unsern Grabesraum
Mit seinem hellen Scheine.

Und wenn ein holdes Kind
Nach unserm Grabe ziehet,
Wenn treu und stillgesinnt
Sich Muttersorge mühet,

Dann fühlen wir die Lust
Aus alter Zeit sich regen,
Es zieht in manche Brust
Aus unserm Grab der Segen.

Der Myrrhen Bitterkeit,
Man kennt sie wohl im Leben,
Doch sollen drüber weit
Die Weihrauchwolken schweben.

Das Gold es ist die Treu
Im Leben wie im Sterben:
Solch edle Spezerei
Kann jeder hier erwerben.


"Vom Christkind"

Anna Ritter (1865-1921)

Denkt euch, ich habe
das Christkind gesehen!
Es kam aus dem Walde, das Mützchen voll Schnee,

mit rotgefrorenem Näschen.
Die kleinen Hände taten ihm weh,

denn es trug einen Sack,
der war gar schwer,
schleppte und polterte
hinter ihm her.

Was drin war, möchtet ihr wissen?
Ihre Naseweise,
ihr Schelmenpack -

denkt ihr,
er wäre offen der Sack?
Zugebunden bis oben hin!

Doch war gewiss
etwas Schönes drin!
Es roch so nach
Äpfeln und Nüssen!

"Weihnachtsfreude"
Robert Reinick 1805 - 1852

Der Winter ist gekommen
Und hat hinweg genommen
Der Erde grünes Kleid;
Schnee liegt auf Blütenkeimen,
Kein Blatt ist an den Bäumen,
Erstarrt die Flüsse weit und breit.

Da schallen plötzlich Klänge
Und frohe Festgesänge
Hell durch die Winternacht;
In Hütten und Palästen
Ist rings in grünen Ästen
Ein bunter Frühling aufgewacht.

Wie gern doch säh' ich glänzen
Mit all den reichen Kränzen
Den grünen Weihnachtsbaum!
Dazu der Kindlein Mienen
Von Licht und Luft beschienen;
Wohl schönre Freude gibt es kaum.

Da denk’ ich jener Stunde,
Als in des Feldes Runde
Die Hirten sind erwacht,
Geweckt vom Glanzgefunkel,
Das durch der Bäume Dunkel
Ein Engel mit herab gebracht.

Und wie sie da noch oben
Den Blick erschrocken hoben
Und sah'n den Engel stehn,
Da staunten sie wohl alle,
Wie wenn zum ersten Male
Die Kindlein einen Christbaum sehn.

Ist groß schon das Entzücken
Der Kinder, die erblicken,
Was ihnen ward beschert:
Wie haben erst die Kunde
Dort aus des Engels Munde
Die frommen Hirten angehört!

Und rings ob allen Bäumen
Sang in den Himmelsräumen
Der frohen Engel Schar:
"Gott in der Höh" soll werden
Die Ehre, und auf Erden
Den Menschen Frieden immerdar.

Drum pflanzet grüne Äste
Und schmücket sie aufs beste
Mit frommer Liebe Hand,
Dass sie ein Abbild werden
Der Liebe, die zur Erden
Solch großes Heil uns hat gesandt.


Weihnachten
Joseph von Eichendorff (1788 - 1857)

Markt und Straßen stehn verlassen, still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh ich durch die Gassen, alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen buntes Spielzeug
fromm geschmückt
Tausend Kindlein stehn
und schauen,
sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heilges Schauern! Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen, aus des Schnees Einsamkeit
Steigts wie wunderbares Singen - O du gnadenreiche Zeit!

Die Hirten

Himmels Botschaft ist erklungen;
Ach, ein wunderbarer Klang!
Engel haben uns gesungen
Einen seligen Gesang:
Heute sei das Kind erschienen,
Dem die Himmel ewig dienen.

Nun zu suchen seine Spuren
Und zu schau’n das Licht der Welt,
Führt uns Liebe durch die Fluren,
Liebe führt uns übers Feld.
Sprecht, wo seid ihr, liebe Boten,
Die uns jenen Gruß entboten?

Seitwärts lenken sich die Blicke,
Seitwärts, wo das helle Licht
Aus der alten, kleinen Hütte
Gar zu lieb und fröhlich bricht:
Wo sich unsre Stäbe neigen,
Scheinet alles hinzuzeigen.


"Knecht Ruprecht"

Theodor Storm (1817-1888)

Von drauss' vom Walde
komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!

Allüberall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein sitzen;

Und droben aus dem Himmelstor
sah mit grossen Augen
das Christkind hervor;

Und wie ich so strolcht'
durch den finstern Tann,
da rief's mich
mit heller Stimme an:

"Knecht Ruprecht",
rief es, "alter Gesell,
hebe die Beine
und spute dich schnell!

Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan,

Alt' und Junge sollen nun
von der Jagd des Lebens
einmal ruhn;

Und morgen flieg ich
hinab zur Erden,
denn es soll wieder
Weihnachten werden!"

Ich sprach: "O lieber Herre Christ,
meine Reise fast zu Ende ist;

Ich soll nur noch in diese Stadt,
wo's eitel gute Kinder hat."

- "Hast denn das Säcklein
auch bei dir?"
Ich sprach: "Das Säcklein,
das ist hier:

Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
essen fromme Kinder gern."

"Hast denn die Rute auch bei dir?"
Ich sprach: "Die Rute, die ist hier;

Doch für die Kinder nur,
die schlechten,
die trifft sie auf den Teil,
den rechten."

Christkindlein sprach:
"So ist es recht;
So geh mit Gott,
mein treuer Knecht!"

Von drauss' vom Walde
komm ich her;
Ich muss euch sagen,
es weihnachtet sehr!

Nun sprecht,
wie ich's hier innen find!
Sind's gute Kind,
sind's böse Kind?



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